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Kom(m)ödchen Geschichte –
von Kay und Lore Lorentz bis „Sushi“

 

Die Geschichte dieses Möbels fängt mitten im letzten Krieg an. Ein Student der Hochschule für Politik schwänzt sein arabisches Seminar, eine Studentin der Geschichte lässt ein Kolleg ausfallen, und sie finden sich stattdessen in einer Vorlesung über „Publizistik in den USA“. So lernen sie sich kennen, wenig später heiraten sie. Eine Leica wechselt gegen 36 Stangen Pall Mall den Besitzer. Sie tauschen die Zigaretten gegen Ziegelsteine, Vorhangstoff und zwei Lampen, sie begegnen Menschen, die ihnen abraten, solchen, die ihnen zuraten, und solchen, die ihnen helfen, Mutmacher, Ideenzauberer, Journalisten, Sänger, Musiker, Maler ..., und dann gründen sie ein politisch-literarisches Kabarett, ohne vorher je eines gesehen zu haben, und nennen es „Das Kom(m)ödchen“.

Viel kommt zusammen, Zufälliges, Glückliches, Imponderabiles; und am 29. März 1947 ist Premiere mit dem Programm „positiv dagegen ...“. Mitwirkende in diesem Programm: Kay und Lore Lorentz, Werner Vielhaber, Bernd Nesselhut, Hans Walter Clasen, Eduard Marwitz, Iris Fanslau und Ruth Henrichs.

Im Laufe der Zeit produziert das Kom(m)ödchen noch viele weitere Programme, bis heute sind es insgesamt 74. Zahlreiche Gastspiele im deutschsprachigen Ausland sowie in den USA, Holland und England folgen.

Je bekannter das Kom(m)ödchen wird, desto enger wird der Platz im alten Haus auf der Hunsrückenstraße 20. Dort hebt sich der Vorhang allabendlich im Hinterzimmer einer Altstadtkneipe. Die Stadt Düsseldorf sieht die Gefahr, das Kom(m)ödchen an eine der Nachbarstädte wie Köln zu verlieren, und bietet Räume in der neu erbauten Kunsthalle an.

Am 27. April 1967 beginnt die Vorstellung zu dem Programm „20 Jahre Kassandra“, wie gewohnt, im alten Theater in der Hunsrückenstraße, gegenüber Fatty's Atelier. Vor der Pause werden die Gäste gebeten, Requisiten und Teile des Bühnenbildes in das neue Theater hinüberzutragen. Und so wird der Umzug aus dem Hinterzimmertheater in die neuen Räume im Hause der Kunsthalle zu einem rauschenden Fest.

Es ist kaum zu glauben, aber das Kom(m)ödchen ist nach über 60 Jahren immer noch voll da. Die Zukunft hat hier Tradition, obwohl man sehr wohl weiß, dass – entgegen der Meinung vieler – Tradition nie eine eigene schöpferische Kraft hat. Als Überzeugungstäter haben die Gründer des Kom(m)ödchen stets von vorn angefangen.

So auch 1983, als Lore Lorentz sich entschließt, nur noch solistisch aufzutreten, während Kay Lorentz sen. beginnt, mit jüngeren Kollegen ein neues Kom(m)ödchen-Ensemble aufzubauen. Seinerzeit ist zu lesen, dass es dem Kom(m)ödchen gelungen ist, sich auf wundersame und höchst erfolgreiche Weise zu verjüngen.

Lore Lorentz' Pläne für ein neues, sechstes Soloprogramm werden durch den Tod von Ehemann Kay zunichtegemacht. Sie übernimmt die künstlerische Leitung des Kom(m)ödchen und widmet sich ganz dem Ensemble. Mit „Verfassungslos“, dem 60. Programm des Kom(m)ödchen, feiert Lore Lorentz im September 1993 erfolgreich Premiere. Die Presse bescheinigt ihr, ein Kabarettprogramm mit Ambitionen für eine Meisterklasse auf die Bühne gebracht zu haben. Mitten in den Vorbereitungen zu einem neuen Ensemble-programm stirbt Lore Lorentz am 22. Februar 1994.

Einige wohlklingende Namen, die aus verschiedenen Kom(m)ödchen-Ensembles hervorgegangen sind, sind Thomas Freitag, Harald Schmidt, Hugo Egon Balder, Volker Pispers, Michael Quast, Anka Zink u. v. a. Fast alle halten dem Kom(m)ödchen bis heute die Treue.

Schon mit Beginn der Herbstspielzeit 1993 betraut Lore Lorentz ihren Sohn Kay Sebastian mit der Geschäftsführung des Hauses. Mit ihm beginnt eine neue Ära des Kom(m)ödchen: neu, aber doch im Sinne der Begründer.

Nach der Übernahme des Kom(m)ödchen ist Kay Sebastian Lorentz auf der Suche nach neuen Impulsen für das Haus, die sowohl seiner politisch-literarischen Tradition als auch einer anderen, zeitgemäßen Form der Umsetzung Rechnung tragen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses wird die komplette Bühnenmannschaft, das Autorenteam und die Regieverantwortlichkeit ausgewechselt. Mit dem Duoprogramm „Faire Verlierer“, von und mit Frank Lüdecke, gelingt Kay S. Lorentz ein eindrucksvoller Neuanfang.

Im Jahre 1997 feiert das Kom(m)ödchen seinen 50. Geburtstag. 50 Kabarettisten treten ab Februar 1997 in 50 Wochen jeweils eine Woche im Kom(m)ödchen auf. Die gesamte Kabarettprominenz gibt sich die Ehre, teilweise mit eigens zum Anlass erstellten Programmen. Als eigenen Beitrag bringt das Kom(m)ödchen eine Hommage an Lore Lorentz. In Anlehnung an den Titel eines der erfolgreichsten Soloprogamme von Lore Lorentz nennt sich dieses Jubiläumsprogramm „Thomas Freitag präsentiert Lore Lorentz“.

Inzwischen hat die Stadt Düsseldorf den öffentlichen Platz vor dem Theater längst in „Kay-und-Lore-Lorentz-Platz“ umbenannt. Und auch eine städtische Kollegschule trägt heute den Namen „Lore-Lorentz-Schule“.

Im Sommer 1998 gelingt es, ein neues, junges dreiköpfiges Ensemble zusammenzustellen. Nicole Ankenbrand, Volker Diefes und Christian Ehring – alle südlich der dreißig – gehen mit großem Enthusiasmus ans Werk. Drei ebenso junge Autoren werden mit der Erstellung eines neuen Programms beauftragt. Am 3. Oktober 1998 feiert das 64. Programm des Kom(m)ödchen Premiere. Titel: „Die letzten Tage von Erkrath“. Die Inszenierung übernimmt Horst-Gottfried Wagner, von dessen großer Erfahrung alle Beteiligten profitieren. Wagner begleitet als Regisseur und Dramaturg von nun an das Kom(m)ödchen zunächst bis zur Sommerpause 2002.

Die Presse bescheinigt Kay S. Lorentz einhellig, den Generationswechsel erfolgreich vollzogen zu haben. Die ersten vier Monate wird vor ausverkauftem Haus gespielt. Es finden sich immer häufiger junge, neu interessierte Gesichter im Publikum ...

Mit den Autoren Dietmar Jacobs, Martin Maier-Bode und Christian Ehring, der auch für Musik und deren Umsetzung verantwortlich zeichnet, hat sich ein höchst kreativer Pool im Kom(m)ödchen gebildet. Es folgen in gleicher Besetzung die Programme „Amok“ (1999), „Schlachtfest“ (2000) und „Big News“ (2001).

„Wahlempfehlung 2002“ wagt eine Rückschau auf die Ereignisse der letzten vier Jahre und präsentiert die besten Nummern des Ensembles in den zurückliegenden vier Jahren Gerhard Schröder.

Im Sommer 2002 großes Stühlerücken im Kom(m)ödchen. Christian Ehring macht sich solistisch selbstständig und verlässt das Ensemble. Heiko Seidel komplettiert das Trio. Als Autor und Regisseur für die neue Hausproduktion wird der Schauspieler, Autor und Kabarettist Michael Ehnert gewonnen.

Am 24. September 2002 erscheint das Programm „6. Tag, 2. Versuch“. Es ist ein Weltrettungsprogramm über skrupellose Wissenschaftler, enthemmte Halbaffen, Ersatzteilkinder und weinerliche Profikiller. Die Traditionalisten im Publikum reagieren verwirrt. Form und Inhalt dieses Programms scheint hingegen viele neue Kabarettfans anzusprechen. Das Programm verkauft sich bestens. Es wird von vielen als innovativer Kabarettansatz wertgeschätzt.

Der Berliner Autor und Kabarettist Frank Lüdecke schreibt im Jahre 2003 mit dem Programm „kopfüber. Bunter Abend für Selbstmörder“ dem Kom(m)ödchen einen der bis dato größten Erfolge.

Mit dem darauffolgenden Ensembleprogramm „Oktoberfest. Sechs Dosen Deutschland“ wagt Kay S. Lorentz ein neues Konzept. Sechs sehr unterschiedliche Autoren schreiben sehr unterschiedliche Episoden, die alle am 3. Oktober, dem deutschen Nationalfeiertag, stattfinden. Die Presse schreibt von einem gelungenen Deutschlandpuzzle. Eine Herausforderung für das dreiköpfige Ensemble.

Mit dem Ende der Spielzeit 2005/06 verlassen Nicole Ankenbrand und Volker Diefes das Ensemble. Beide wollen sich Soloprojekten widmen.

Am 2. Mai 2006 kommt es zur Premiere des ersten Solos von Nicole Ankenbrand. Eine Kom(m)ödchen-Produktion. Sie trägt den Titel „Neues von gestern“ und ist einerseits ein herrlich frisches, zeitgenössisches weibliches Kabarettdebüt, andererseits eine Verbeugung vor der großen Lore Lorentz und ihren Chansons.

Am 2. September 2006 hat das 73. Ensembleprogramm „Couch. Ein Heimatabend“ Premiere. Auf der Bühne stehen neben Heiko Seidel Neuzugang Maike Kühl und Christian Ehring, der nach einigen Jahren Solotätigkeit wieder zum Kom(m)ödchen gefunden hat. Die drei bilden das neue Hausensemble.

„Couch. Ein Heimatabend“ stammt aus den Federn von Grimmepreisträger Dr. Dietmar Jacobs und Christian Ehring. Regie führt erstmalig Hans Holzbecher. Der Heimatabend entwickelt sich mit diesem dynamischen und wunderbar harmonierenden Ensemble zum erfolgreichsten Kom(m)ödchen-Programm in der über 60-jährigen Geschichte des Hauses und läuft mittlerweile im dritten Jahr. Dem Kom(m)ödchen gelingt es erneut, eine einzigartige, moderne Form des Ensemble-Kabaretts zu schaffen: eine Mischung  aus politischer Satire, Theater und Sitcom, die immer wieder neue Publikumsgruppen anspricht.

Im Januar 2009 folgt das neue Programm des bewährten „Couch“-Teams: „Sushi. Ein Requiem.“ Mit viel Spielfreude agiert das Hausensemble in diversen Rollen, von denen einige schon aus „Couch“ bekannt sind. Und erstmals spielt ein Kom(m)ödchen-Ensemble während einer Spielzeit zwei Stücke abwechselnd. Denn die Couch bleibt wegen des anhaltenden Erfolgs stehen.

Ab Juli 2009 gibt es ein neues Gesicht im Ensemble: Während Maike Kühl sich für einige Monate in die Babypause verabschiedet, wird sie in den beiden Produktionen „Couch. Ein Heimatabend“ und „Sushi. Ein Requiem“ von der Schauspielerin und Sängerin Melanie Haupt vertreten.

Kay S. Lorentz wird seit 2006 in der künstlerischen Leitung von Ensemblemitglied und Autor Christian Ehring unterstützt.

Lore Lorentz
Kay und Lore Lorentz
Lore Lorentz Kommoedchen
Lore Lorentz